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„Stark. Sozial. Vor Ort.“

Doreen Gloede ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters Burgenlandkreis. Seit 2012 ist die 44-Jährige im kommunalen Jobcenter tätig und hat seither weit über 900 Beratungen im Landkreis durchgeführt. Zur Aktionswoche der kommunalen Jobcenter spricht sie über ihre Arbeit als Beauftragte für Chancengleichheit.


Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsplatz: Was ist das eigentlich?

tl_files/Jobcenter/Allgemeine_Bilder/gloede_doreen_bca.jpgMeine Aufgaben als Beauftragte für Chancengleichheit (BCA) sind gesetzlich verankert im Zweiten Sozialgesetzbuch. Dazu zählen unter anderem die Beratung und Unterstützung der Mitarbeiter des Jobcenters und auch Dritter in Fragen zur Gleichstellung von Männern und Frauen in der Grundsicherung für Arbeitssuchende und ihrer Angehörigen. Weitere Schwerpunkte meiner Tätigkeit sind Frauenförderung, Krisenintervention sowie Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.  Außerdem zeige ich auch auf, wo wir handeln müssen, um Benachteiligungen abzubauen und unterstütze bei psychosozialen Problemlagen. Die Arbeit als BCA ist aber noch weitaus komplexer. So arbeite ich in Netzwerken und regionalen bzw. überregionalen Gremien und Arbeitskreisen bis hin in die Landes- und Bundesebene mit, bin z.B. Vorstandsmitglied und Leiterin der Arbeitsgruppe „Teilhabe am Arbeitsleben“ im Inklusionsbündnis Burgenlandkreis. Eng arbeite ich auch mit Fach- und Führungskräften im Jobcenter Burgenlandkreis zusammen. Ein Kernthema ist und bleibt die verzahnte Fallarbeit mit Sozialarbeitern anderer Ämter und Beratungsstellen aller Art, Familienhebammen, Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Schulsozialarbeit.
(Foto: René Weimer / Foto- und Medienkunst)

 

Wie helfen Sie denn ganz konkret den Menschen im Landkreis?

Seit mehreren Jahren erfolgt in Kooperation mit Partnern die Mobile Beratung, die über die Städte Naumburg, Weißenfels und Zeitz hinaus vor allem auch dem ländlichen Raum ein bürgernahes Angebot unterbreiten soll. Beispielhaft sind hier die Beratungs-Cafes für Menschen mit Handicap in Zusammenarbeit mit den Teilhabemanagern des Landkreises und der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung zu nennen. Dazu zählt das Mobile Beratungsangebot in Kooperation mit der BCA der Agentur für Arbeit für Frauen und Männer, die erstmalig eine Ausbildung/Arbeit suchen oder nach Kinder- und Pflegezeiten wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Wir helfen zudem denjenigen, die eine Neuorientierung wagen. Schön finde ich, dass dabei auch Menschen mit Migrationshintergrund den Weg in diese Beratungsstruktur finden, da bei Sprachkursträgern und in der Migrationsagentur des Landkreiseses das Beratungsangebot vor Ort ist. Ich selbst sehe mich immer als Dienstleisterin und setze auf eine lösungs- und ressourcenorientierte Beratung mit Unterstützung zur Selbsthilfe. Unabdingbar in meinem Job: Empathie und Wertschätzung gegenüber Menschen, die SGB-II-Leistungen beziehen.

 

Sie haben viel mit Menschen zu tun. Was haben Sie bisher für Erfahrungen gemacht?

Meine Angebote im Rahmen der Präventions-, Beratungs- und Krisenintervention sprechen sich herum und sind letztlich auch ein Teil im Prozess zur Integration in den Arbeitsmarkt. Meine Devise lautet: Bevor Probleme wie z.B. fehlende Kinderbetreuung nicht behoben werden, kann niemand eine Arbeit aufnehmen. Daher freue ich mich besonders über positive Resonanzen. Vor einiger Zeit meldete sich zum Beispiel ein junger alleinerziehender Vater per Mail bei mir, um mir mitzuteilen, dass er nun die Ausbildung zum Erzieher geschafft habe. Das ist natürlich toll zu hören! Genauso wenn sich Menschen nach Mobilen Beratungen noch einmal melden, um sich zu bedanken oder wenn sich Probleme von Familien auflösen, weil ich sie zu anderen Ämtern begleitet und unterstützt habe, damit sie eigene Kommunikationsbarrieren überwinden können.

 

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an der Arbeit in einem kommunalen Jobcenter?

Unser Jobcenter Burgenlandkreis ist mit seinen drei Geschäftsstellen in Zeitz, Naumburg und Weißenfels im Landkreis präsent. Damit können wir Beratungsleistungen direkt vor Ort anbieten. Wir können auch auf zahlreiche Partner zählen, wie das Mehrgenerationenhaus Karsdorf oder auch die Städte und Gemeinden. Wären diese Partner- und Kooperationsgemeinschaften nicht vorhanden, könnte das mobile Angebot nicht stattfinden. Bei vielfältigen Problemlagen arbeite ich genauso wie meine Kollegen des Jobcenters mit den kommunalen Akteuren auch auf dem kurzen Weg zusammen, so dass Bürgernähe, Transparenz und individuelle Lösungsfindung spürbar sind. Außerdem kennen wir den lokalen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sehr genau, was für die Menschen, die wir betreuen, von Vorteil ist. Zudem können wir dank der aktiven Mitarbeit in den kommunalen Netzwerken rasch auf die regionalen Gegebenheiten der sich ständig ändernden Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik eingehen und uns u.a. bei zielgruppenspezifischen Ausschreibungen, Projekten oder Programmen beteiligen.

 

Wie erreichen die Menschen Sie?

Ich bin einmal telefonisch unter 03441 22 90 231 oder per E-Mail an gloede.doreen[at]jc-blk.de erreichbar. Natürlich stehe ich auch für persönliche Gespräche in meinem Büro in der Geschäftsstelle in Zeitz, Friedensstr. 80, zur Verfügung. Termine sind nach Vereinbarung in den Geschäftsstellen des Jobcenters in Naumburg, Weißenfels und Zeitz möglich. Termine für die Mobilen Beratungsangebote veröffentlichen wir zudem auf unserer Homepage www.jobcenter-blk.de.

 

Verbesserung der Leistungen für Bildung und Teilhabe

 

Was sich für Leistungsempfänger des Jobcenters ändert

Durch das Starke-Familien-Gesetz wurden die Bildungs- und Teilhabeleistungen für Kinder und Jugendliche zum 1. August 2019 verbessert. „Da bisher nur ein geringer Anteil von hilfsbedürftigen Familien die Leistungen aus dem Bildungspaket in Anspruch nimmt, gibt es Änderungen bei den einzelnen Leistungen und deren Leistungserbringung“, sagt Nadine Wachsmuth, Bereichsleiterin der Leistungsgewährung SGB II des Jobcenters Burgenlandkreis. „Darüber hinaus wurde das Antragsverfahren geändert“, erklärt Wachsmuth weiter.

So gelten ab sofort die Leistungen nach § 28 SGB II, mit Ausnahme der Lernförderung, mit jedem Erst- bzw. Weiterbewilligungsantrag als beantragt. Die einzelnen Bedarfe müssen jedoch weiterhin nachgewiesen werden, um dann über den Antrag entscheiden zu können. Bislang war für diese Leistungen eine gesonderte Antragstellung erforderlich. Wachsmuth: „Hier haben wir schon 2012 nachgesteuert und die Leistungen für Bildung und Teilhabe in die Erst- und Weiterbewilligungsanträge aufgenommen. Die Leistungsberechtigten mussten bislang lediglich die begehrte Leistungsart ankreuzen und die entsprechenden Nachweise beifügen. Auch wenn dadurch bereits eine Steigerung in der Inanspruchnahme zu verzeichnen war, ist es uns nicht gelungen, alle Leistungsberechtigte zu erreichen.“

 

Inhaltlich haben sich zum 01.08.2019 folgende Änderungen ergeben:

Die Leistungen für die Ausstattung mit persönlichem Schulbedarf steigen von 100 auf insgesamt 150 Euro, davon 100 Euro für das erste Schulhalbjahr und 50 Euro für das zweite Schulhalbjahr. Weiterhin werden ab dem Abrechnungsmonat August nunmehr die gesamten Aufwendungen des Kindes für die gemeinschaftliche Mittagsverpflegung in der Schule, Kita oder Kindertagespflege übernommen. Damit entfällt der durch die Leistungsberechtigten zu erbringende Eigenanteil in Höhe von 1 Euro pro Mittagessen. Den Kindern steht ein dementsprechend höherer Geldbetrag pro Monat zur Verfügung. Die aufwendige Abrechnung des Eigenanteils zwischen dem Essenanbieter und den Eltern des leistungsberechtigten Kindes entfällt damit. Der Verzicht auf den Eigenanteil soll es hilfebedürftigen Kindern erleichtern, an der gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung teilzunehmen. Demnach dürften auch keine Versorgungsverträge mehr gekündigt werden, weil der Eigenanteil nicht bezahlt wurde.

Für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft werden nunmehr pauschal 15 Euro monatlich berücksichtigt. Voraussetzung ist, dass den Leistungsberechtigten, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, tatsächliche Aufwendungen im Zusammenhang mit der Teilnahme an Aktivitäten in den Bereichen Sport, Spiel, Kultur und Geselligkeit, Unterricht in künstlerischen Fächern (zum Beispiel Musikunterricht) und vergleichbare angeleitete Aktivitäten der kulturellen Bildung und Freizeiten entstehen.

Bislang wurden für diese Freizeitaktivitäten maximal 10 Euro monatlich erbracht. Neben dem Mitgliedsbeitrag konnten noch Aufwendungen, unter Berücksichtigung des Eigenanteils, gewährt werden, wenn diese im Zusammenhang mit der Aktivität standen. Die bisherige Regelung war sehr eng gefasst und die komplizierten Leistungsvoraussetzungen zogen einen hohen Prüfaufwand für die Verwaltung nach sich. Mit der pauschalen Gewährung und der Möglichkeit der Erbringung der Leistung als Geldleistung wird es nun einfacher.

Soweit eine entsprechende Aktivität nachgewiesen wird, wird die Leistung in Höhe von 15 Euro monatlich pauschal direkt an den Leistungsberechtigten ausgezahlt. Dieser ist dann verpflichtet, davon den Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Den sich möglicherweise ergebenden Differenzbetrag kann der Leistungsberechtigte entweder für weitere Aktivitäten einsetzen bzw. ansparen oder etwa für die Fahrtkosten zum Training einsetzen.

 

Wie erbringt das Jobcenter Burgenlandkreis ab 1. August 2019 Leistungen für Bildung und Teilhabe?

Leistungen Bildungs- und Teilhabepaket Erbrachte Leistungen durch das Jobcenter BLK
Schulbedarf als Geldleistung
Schülerbeförderung als Geldleistung
Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben (z.B. Teilnahme Sportverein) als Geldleistung
Lernförderung Kostenübernahmeerklärungen/ Personalisierte Gutscheine
Mittagsverpflegung Kostenübernahmeerklärungen/ Personalisierte Gutscheine
Klassenfahrten/ Schulausflüge Direktzahlung an den Anbieter


Damit möglichst viele Kinder und Jugendliche von den Verbesserungen des Bildung- und Teilhabepakets profitieren können, sollten Eltern die entsprechenden Nachweise im Jobcenter Burgenlandkreis beibringen. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, sich zu den Öffnungszeiten in den Geschäftsstellen Naumburg, Weißenfels und Zeitz beraten lassen.

 

Zahlen und Fakten

Im Juni 2019 waren im Jobcenter Burgenlandkreis 15.339 Personen  im SGB II-Leistungsbezug Darunter hatten 3.870 Personen im Alter zwischen 0 und 18 Jahren einen Anspruch auf mindestens eine Leistungsart aus dem Bildungs- und Teilhabepaket.

Durchschnittlich werden für 1.351 Kinder Leistungen zur Mittagsverpflegung durch das Jobcenter Burgenlandkreis erbracht. 164 Kinder erhalten durchschnittlich Leistungen zur sozialen und kulturellen Teilhabe.